"Vergessen Sie eines nicht, das Leben ist eine Herrlichkeit."
- Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Montag, 31. März 2014

Unsäglich glücklich

Rainer Maria Rilke (1875-1926) stellte die Freude weit über das Glück. 

"Glück bricht über die Menschen herein, Glück ist Schicksal, Freude bringen sie in sich zum Blühen, Freude ist einfach eine gute Jahreszeit über dem Herzen; Freude ist das Äußerste, was die Menschen in ihrer Macht haben."[1]

Was Rilke damit meinte, ist, dass man sich das Glück nicht machen kann. Glück kommt unerwartet, es passiert, es überkommt. Wenn das passiert, kann man es nur dankbar entgegen nehmen. Für die Freude allerdings, sind wir selbst verantwortlich. Wir entscheiden selber, wie wir auf unser Schicksal reagieren. 
Schicksal passiert, da kann man oft nichts dran verändern, aber wie wir drauf reagieren, haben wir selber in der Hand. Wenn das Auto kaputt geht kann man fluchen, schreien und die Faust zum Himmel heben. Den Automechaniker anblaffen und sich über die Unfähigkeit des a) Autoherstellers und b) Automechanikers, der keine magic touch hat und das Auto nicht in Null-Komma-Nix wieder repariert hat. Man kann sich aber auch dazu entscheiden mit dem Mechaniker ein Pläuschen zu halten, tief einzuatmen während man auf den Reparationsbefund wartet und sich an Sonne/Regen/Wind/Vogelgezwitscher erfreuen. Dass das Auto platt liegt, daran kann man in dem Moment sowieso nichts verändern. Wie wir auf die Schönheit der Welt und auf die Menschen reagieren, denen wir täglich begegnen, schon.

Natürlich kann ich mir die Freude nicht einfach befehlen. Aber wenn ich mich offen auf das einlasse, was ist, und wenn ich es mit einem staunenden und ehrfürchtigen Blick wahrnehme, dann wird in mir die Freude wachsen. Ich kann also üben, mich zu freuen. Ich kann Freude wachsen lassen, wenn ich mit den Dingen achtsam umgehe.




[1] Grün, A. (2011). Das kleine Buch der Lebenslust. Herder