Unsäglich glücklich
Rainer Maria Rilke (1875-1926) stellte die
Freude weit über das Glück.
"Glück bricht über die Menschen herein, Glück ist Schicksal, Freude
bringen sie in sich zum Blühen, Freude ist einfach eine gute Jahreszeit über
dem Herzen; Freude ist das Äußerste, was die Menschen in ihrer Macht haben."[1]
Was Rilke damit meinte, ist, dass man sich das
Glück nicht machen kann. Glück kommt unerwartet, es passiert, es überkommt.
Wenn das passiert, kann man es nur dankbar entgegen nehmen. Für die Freude
allerdings, sind wir selbst verantwortlich. Wir entscheiden selber, wie wir auf
unser Schicksal reagieren.
Schicksal passiert, da kann man oft nichts dran
verändern, aber wie wir drauf reagieren, haben wir selber in der Hand. Wenn das
Auto kaputt geht kann man fluchen, schreien und die Faust zum Himmel heben. Den
Automechaniker anblaffen und sich über die Unfähigkeit des a) Autoherstellers
und b) Automechanikers, der keine magic touch
hat und das Auto nicht in Null-Komma-Nix wieder repariert hat. Man kann
sich aber auch dazu entscheiden mit dem Mechaniker ein Pläuschen zu halten,
tief einzuatmen während man auf den Reparationsbefund wartet und sich an
Sonne/Regen/Wind/Vogelgezwitscher erfreuen. Dass das Auto platt liegt, daran
kann man in dem Moment sowieso nichts verändern. Wie wir auf die Schönheit der
Welt und auf die Menschen reagieren, denen wir täglich begegnen, schon.
Natürlich kann ich mir die Freude nicht
einfach befehlen. Aber wenn ich mich offen auf das einlasse, was ist, und wenn
ich es mit einem staunenden und ehrfürchtigen Blick wahrnehme, dann wird in mir
die Freude wachsen. Ich kann also üben, mich zu freuen. Ich kann Freude wachsen
lassen, wenn ich mit den Dingen achtsam umgehe.